1972-1983

Mit dem 1. September 1972 begann die dritte Phase der Geschichte der Jürgen-Fuhlendorf-Schule seit 1958. Mit nur wenigen Tagen Verspätung konnte der Neubau am Düsternhoop 48 seiner Bestimmung übergeben wer­den. Unter Mithilfe des gesamten Kollegiums und eines großen Teils der Schülerschaft wurde der Umzug vom alten Schulgebäude Am Bahnhof voll­zogen. Außerdem bewährte sich hier - wie immer - der langjährige Haus­meister, Herr Virkus. Es stand nun ein neues Gebäude bereit, das nahezu allen Anforderungen eines modernen Unterrichts gerecht wurde. Dies galt für die naturwissenschaftlichen Fachräume ebenso wie für die vielen Räume für den künstlerisch-gestaltenden Unterricht. Ein Sprachlabor wurde wenig später eingerichtet. Die Schule verfügt über ein Fotolabor, einen Lichtbildraum für den Geographieunterricht, Farbfernsehgeräte und einen modernen Computer. Auch die Innenausstattung mit Mobiliar, Lehr-und Lernmitteln erfolgte sehr großzügig. Zur Schule gehören außerdem ein eigener Parkplatz und ein überdachter Fahrradstand. Ein Sportplatz und eine eigene moderne Turnhalle ermöglichen eine deutliche Verbesserung des Sportunterrichts.
Mit dem Wechsel des Schulgebäudes waren Wechsel auch im personellen Bereich verbunden. Da nach dem Ausscheiden des bisherigen Schulleiters noch keine Neuwahl erfolgt war und die Ausschreibungen für dieses Amt längere Zeit in Anspruch nahmen, mußten alle Ämter der Schulleitung zunächst vorübergehend neu Verteilt werden, um die neuen, ungewohnten Aufgaben einigermaßen lösen zu können. Denn obgleich der Neubau mit dem Beginn des Schuljahres bezogen worden war, blieben noch zahllose Kleinigkeiten zu tun. An vielen Stellen des neuen Gebäudes mußte noch letzte Hand angelegt werden, und die verschiedenen Handwerker waren noch monatelang im Hause, die Inneneinrichtung war noch längere Zeit nicht vollständig. Durch die langen Liefertermine fehlte es an allen Enden, und es war nötig, immer wieder auf die zugesagten Termine zu drängen. An vielen Stellen mußte improvisiert und zunächst auf z. T. altes Mobiliar zurückgegriffen werden. Wochenlang fehlten die Wandtafeln in allen Klas­sen. Nur im Pavillon, der weiterhin genutzt werden mußte und auch heute noch für die Schule unentbehrlich ist, konnte einigermaßen geregelter Unterricht erteilt werden.
Die kommissarische Schulleitung übernahm Studiendirektor Hans Wil­helm Meyer, der einen Monat zuvor nach der Verabschiedung des bisheri­gen Amtsinhabers das Amt des stellvertretenden Schulleiters übernommen hatte. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des stellvertretenden Schullei­ters wurde Studiendirektor Pönisch, mit der Leitung der gleichzeitig neu eingeführten Studienstufe Oberstudienrat Simonsen betraut, der kurz darauf zum Studiendirektor ernannt wurde. Schließlich hatte auch im Schulsekretariat wenige Wochen zuvor ein Wechsel stattgefunden. Frau Käte Saggau, seit Juli 1945 als Sekretärin an der Schule tätig, war zum 1. April ausgeschieden, und Frau Bebensee mußte sich als neue Kraft in ihr Aufgabenfeld einarbeiten.
Auf Grund aller dieser Schwierigkeiten, deren Ende zunächst nicht abseh­bar war, hatte das Kollegium der Schule im Zusammenwirken mit der Elternschaft schon im späten Frühjahr des Jahres den Studiendirektor Meyer bewogen, sich um das Amt des Schulleiters zu bewerben. Da bekannt war, daß es nicht üblich ist, einen Lehrer an der Schule, an der er bisher unterrichtet hat, als Schulleiter einzusetzen, wurde in Anbetracht der Umstände um eine Ausnahmeregelung ersucht.
Tatsächlich blieb die kommissarische Schulleitung monatelang bestehen. Die Lage an der Schule stabilisierte sich erstaunlich schnell. Die neue Um­gebung, das neue und moderne Inventar und die Großzügigkeit aller Räum­lichkeiten wirkten sich auch im Verhalten der Schülerschaft erfreulich aus. Es zeigte sich hier, daß die Umgebung, in der man arbeitet, auf das Verhal­ten von erheblichem Einfluß ist. Auch die neu eingerichtete Studienstufe arbeitete planmäßig, ohne daß es zu erwähnenswerten Schwierigkeiten gekommen wäre. Jedenfalls bleibt festzustellen, daß kein einziger nennens­werter Disziplinarfall das Kollegium beschäftigte.
Erst am 11. Januar 1973 fand nach zweimaliger Ausschreibung die Wahl eines neuen Schulleiters durch den Schulleiterwahlausschuß statt, der aus je fünf Vertretern der Eltern- und Lehrerschaft sowie aus einem Vertreter des Landesschulamtes bestand, der allein über fünf Stimmen verfügte. Der kommissarische Leiter war nicht auf die Vorschlagliste der Kandidaten für das Amt des Schulleiters gesetzt worden. Der Leiter des Landesschulamtes hatte keine Veranlassung gesehen, von der Regel, eine Lehrkraft einer fremden Schule zum Schulleiteramt vorzuschlagen, abzuweichen. So wurde die Schulleiterwahl durch Aktionen der Schüler in der Schule, eine Demonstration in der Öffentlichkeit und einen eintägigen Unterrichtsboy­kott begleitet. Dabei richtete sich der Schülerprotest nicht gegen die Person des neu gewählten Schulleiters, sondern gegen das Verfahren, einen von Lehrern, Eltern und Schülern favorisierten Kandidaten nicht auf die Vor­schlagsliste für das Amt des Schulleiters zu setzen.
Am 11. Januar 1973 wurde der bisherige Oberstudienrat Dr. Ulrich March aus Kiel zum Schulleiter gewählt, der sein Amt am 20. Februar 1973 antrat.
Die nun folgende Zeit brachte trotz ihres turbulenten  Beginns eine Konso­lidierung des Schullebens. Große Veränderungen blieben aus, wenn auch eine ganze Reihe von Reformen von geringerer Tragweite eingeführt wurde.
Die Orientierungsstufe war nur geringen Veränderungen unterworfen und besteht heute 12 Jahre. Hierbei bewährte sich die angestrebte sehr weitge­hende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schultypen allerdings kaum und ist heute nur noch auf wenigen Gebieten vorhanden.
Die Studienstufe ist inzwischen in der gesamten Bundesrepublik die ein­zig verbindliche Form der Oberstufe aller Gymnasien. Sie hat viele Wand­lungen hinnehmen müssen und hat sich zu einem organisatorisch außer­ordentlich komplizierten Gebilde entwickelt. Der Grund für die ständigen Veränderungen in dieser Oberstufenform liegt in den unterschiedlichen Erwartungen, die man in der Öffentlichkeit in Bezug auf das Abitur hat. So gab es besonders zur Zeit der Einführung einflußreiche Kräfte, die den Schülern der Oberstufe schon eine weitgehende Spezialisierung und Wahl­freiheit unter dem Unterrichtsangebot zubilligen wollten. Andere, beson­ders aus dem Bereich der Hochschulen, beklagten von Anfang an die zu weitgehende Spezialisierung und führten darauf den Mangel an Allgemein­bildung bei den angehenden Studenten zurück. Heute haben wir zu einer Form gefunden, die zwischen Pflichtfächern zur Sicherung der Allgemein­bildung und Wahlfächern zur Vertiefung von besonderen Neigungen eine Synthese versucht. Sicher ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen, sowohl was die Organisationsform der Studienstufe als auch die Einrich­tung an sich angeht. Vielfach wird bereits wieder die Rückkehr zum alten Klassenverband auch in der Oberstufe gefordert.
Eine für die Entwicklung und die Arbeit der Schule im ganzen positive Neuerung bedeutete im Februar 1977 die Einrichtung der Jürgen-Fuhlendorf-Schule als Ausbildungsschule für die Studienreferendare des Studien­seminars Neumünster. Sicher brachte die Betreuung der Lehramtsanwärter zusätzliche Belastungen organisatorischer und pädagogischer Art für eine Reihe von Kollegen mit sich, auf der anderen Seite bedeutete der Kontakt mit den jungen Referendaren den Zwang zu ständiger Auseinandersetzung mit modernen pädagogischen Fragen und Problemen. Vier bis sechs Refe­rendare werden seitdem in jedem Semester an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule ausgebildet und legen hier auch ihr zweites Staatsexamen ab. Man­cher von ihnen ist nach Ablegung der zweiten Prüfung auf eigenen Wunsch an unserer Schule als vollausgebildete Lehrkraft geblieben.
Schließlich bleibt noch zu erwähnen, daß im Juli 1978 das neue Schulgesetz für das Land Schleswig-Holstein verabschiedet wurde, das auch für die Jürgen-Fuhlendorf-Schule einige Veränderungen mit sich brachte. So kann nach dem § 59 des Gesetzes nicht mehr das Land Schleswig-Holstein Trä­ger der Schule sein, sondern an seine Stelle tritt die Gemeinde, in der die Schule liegt, oder der Kreis. Nach längeren Verhandlungen hat sich die Stadt Bad Bramstedt nicht in der Lage gesehen, neben der Trägerschaft für die anderen Schulen auch die für das Gymnasium zu übernehmen, so daß die Jürgen-Fuhlendorf-Schule seit dem 1. Januar 1982 vom Kreis Segeberg als einziges Gymnasium des Kreises übernommen worden ist. Lediglich die Anstellung und Besoldung der Lehrkräfte sind im Zuständigkeitsbereich des Landes geblieben.
Schließlich wurde durch das Schulgesetz die Schulkonferenz als das höch­ste Beschlußorgan der Schule eingerichtet. Die Schulkonferenz besteht aus allen Lehrern und - bei der Größe unserer Schule - aus 15 Elternvertretern und 15 Schülern. Von den Lehrkräften haben nur diejenigen mit zweitem Staatsexamen Stimmrecht.
Betrachten wir am Schluß noch einmal die Lage der Jürgen-Fuhlendorf-Schule im Jahre 1983 zu ihrem 75jährigen Bestehen: Aus der kleinen priva­ten Schule, die am 1. Mai 1908 ihren Unterricht in zwei gemieteten Räumen mit 39 Schülern aufnahm, ist ein modernes Gymnasium geworden. Der Lei­stungsstand der Schule zeigt ein erfreuliches Niveau. Die Schule wird vom Staat bzw. vom Kreis Segeberg getragen und verfügt seit etwa zehn Jahren über ein neues Gebäude am Nordostrand der Stadt, das in seiner Ausstat­tung nahezu allen Anforderungen gerecht wird. Heute, Stichtag 21. Januar 1983, besuchen 751 Schüler die Schule, wobei die hohe Zahl der Mädchen auffällt, die mit 427 zu 324 Jungen eindeutig die Mehrheit bilden. Die Schü­ler der Unter- und Mittelstufe sind auf 19 Klassen verteilt. In der Oberstufe mit 99 Jungen und 108 Mädchen sind 30 Leistungs- bzw. Schwerpunktkurse und 90 Grundkurse gebildet worden, wobei der Fächerwahl der Schüler bei der Organisation in weitestem Maße Rechnung getragen wird und nur ganz wenige Wünsche unberücksichtigt bleiben müssen. Der Unterricht - auch in der Oberstufe - wird nur am Vormittag erteilt (wenn wir von einigen Sportkursen der Oberstufe absehen), eine Bedingung, die für eine Schule mit so hohem Anteil auswärtiger Schüler die Arbeit sehr erleichtert. An der Schule unterrichten heute insgesamt 57 Lehrkräfte, stundenweise Beschäf­tigte und fünf Studienreferendare eingeschlossen.
Nach dem Verlust des südlichen Einzugsgebietes um Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg und Quickborn, wo heute eigene Gymnasien bestehen, hat sich das Einzugsgebiet in den Osten des Kreises Steinburg verlagert. Allein aus den Orten Wrist und Kellinghusen stammen heute etwa 28 % unserer Schüler. Die Busverbindungen zu den genannten Orten und den umliegen­den Gemeinden sind ausgebaut worden. Eigene Schulbusse besorgen die Beförderung der Schüler, die unmittelbar vor den Schulgebäuden auf dem Schulgelände abgesetzt werden.
Bis zum Ende des Schuljahres 1981/82 haben an der Schule insgesamt 1085 Schüler das Abitur bestanden, darunter 395 Mädchen, das sind 36,4 %. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich auch unter den Abitu­rienten der Anteil der Mädchen ständig vergrößert hat. Möglicherweise spielen hierbei neben einer veränderten Einstellung der Eltern und Schüler zum Abitur auch die erweiterten Wahlmöglichkeiten eine Rolle, die an unserer Schule seit Einführung der Studienstufe bestehen. Zur Abiturprü­fung in diesem Jahr (1983) werden sich 58 Abiturienten melden, davon 31 Mädchen, das sind 53,5%.
Nach einer Untersuchung der letzten 10 Jahre stammen die Schüler unserer Schule aus allen Schichten der Bevölkerung unseres Einzugsgebietes.
Eine Aufteilung nach Berufsgruppen der Eltern ergibt danach folgendes Bild:
Kinder von:
nichtakadem. Angestellten etwa 21 %
nichtakadem. Selbständigen etwa 17%
nichtakadem. Beamten und Soldaten etwa 15,5 %
Akademikern etwa 21 %
Landwirten etwa 13%
nichtselbst. Handwerkern und Arbeitern etwa 11 %
nicht Berufstätigen bilden die Restgruppe.

So hätten wir heute allen Grund, zufrieden zu sein. Wir haben im Schul­wesen im allgemeinen und an unserer Schule im besonderen Fortschritte erzielt, die wir uns vor wenigen Jahrzehnten nicht hätten träumen lassen. Und doch zeigen die Abiturienten der letzten Zeit zunehmend Resignation und einen Pessimismus, der zu dem Erreichten nur schlecht zu passen scheint. Auch viele von ihnen hat die Furcht vor der Ungewissen Zukunft erfaßt. Ist diese Furcht berechtigt?
Sicher ist es heute keine Selbstverständlichkeit mehr, daß jeder Schul­abgänger einen seiner Bildung, Ausbildung und Neigung entsprechenden Arbeitsplatz findet. Davon sind auch Abiturienten und Studenten betrof­fen. Die Hochschulen sind überfüllt, und auch viele Akademiker mit Staats­examen haben Mühe, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden. Den­noch sollten gerade die Abiturienten daran denken, daß sie zu denen gehö­ren, die von den Sorgen um den Arbeitsplatz noch am wenigsten betroffen sind. Denn sie haben auf Grand ihrer Qualifikation die Möglichkeit, in eine Vielzahl von Berufen auszuweichen. Da dies aber oft auf Kosten derer geschieht, die diese Qualifikation nicht besitzen, wird das Gesamtproblem nur verlagert. Dies zu lösen kann aber nicht mehr in das Aufgabengebiet der Schule fallen, sondern es muß von allen Kräften der Gesellschaft mit aller Energie in naher Zukunft gelöst werden.

Kontakt

Jürgen-Fuhlendorf-Schule

Düsternhoop 48
24576 Bad Bramstedt

Tel. 04192/879630
Fax 04192/879646

E-Mail: jfs.bad-bramstedt[at]schule.landsh.de

IMPRESSUM

Go to top